Firundrian von Abendheim

Ritter aus der Grafschaft Waldstein

Description:

Mut: 14
Klugheit: 12
Intuition 12
Charisma 11
Fingergfertigkeit: 9
Gewandheit: 12
Konstitution: 14
Körperkraft: 14

Bio:

Die erste Begegnung zwischen Fiona und Firundrian

Er ist gerade in seinen Wäldern auf der Jagd. Seit einigen Stunden verfolgt er einen Hirsch und hat sich dabei weit von seiner Jagdgesellschaft entfernt. Allein streift er durch den Wald, bis er den Hirsch stellen und mit einem gezielten Pfeilschuss niederstrecken kann. Er grinst zufrieden und gibt das Hornsignal. Während er damit beschäftigt ist, seine Beute zu begutachten, merkt er nicht, was hinter seinem Rücken geschieht. Erst als er einen dumpfen Aufprall und den letzten überraschten Aufschrei eines Tieres hört, dreht er sich um und sieht Fiona zum ersten Mal.
Sie steht über dem leblosen Körper eines großen Raubtieres.
In der Hand hält sie einen blutigen Dolch, mit dem sie gerade offensichtlich dem Tier die Kehle durchgeschnitten hat. Der aller erste Gedanke, der Firundrian in den Sinn kommt ist, dass Rondra persönlich vor ihm steht und ihn böse anblickt.
Noch bevor er irgendwas sagen kann, fängt sie an ihn auszuschimpfen:
Er solle das nächste Mal gefälligst besser aufpassen, es sei nicht immer jemand in der Nähe um seinen Hintern zu retten. Sie fragt ihn, was für ein Trottel von einem Jäger er sei, wenn er nicht mal merkt, wenn er selbst zur Beute wird. Sie möchte erfahren, wie ein solcher Hornochse wie er es geschafft hat eine Jagdlizenz zu bekommen. Sie spekuliert darüber, dass er gar kein Jäger ist, sondern nur ein dämlicher Wilderer, der es wahrscheinlich nicht besser verdient hat, als von einem Raubtier erwischt zu werden. Und sie überlegt ihn festzunehmen. Schließlich könnte eine nette Belohnung für sie dabei herausspringen, wenn sie einen Wilderer dem Gesetzt übergibt. Soweit sie wisse, sei ihr Lehnsherr, Ritter Firundrian, kein Freund von Dieben und Wilderern. Den habe sie bisher zwar noch nie persönlich getroffen, aber das wäre jetzt eine gute Gelegenheit.
Mittlerweile erscheint der Rest der Jagdgesellschaft und Fiona dämmert nach und nach, WEN sie vor sich hat… und dass sie ihren Lehnsherren einen Trottel, Hornochsen und Wilderer geschimpft hat…
Firundrian reagiert mit schallendem Gelächter auf ihre unbeholfene gestotterte Entschuldigung. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich bin ein Trottel und ein schlechter Jäger. Ich bin es, der sich bei dir entschuldigen muss. Du hast dich in Gefahr gebracht um mir das Leben zu retten. Dafür danke ich dir.“
„Aber ich habe euch beleidigt“, Fiona ist ziemlich verzagt und schaut beschämt zu Boden. „Wenn ich gewusst hätte, wer ihr seid, dann hätte ich…“ Firundrian unterbricht sie, in dem er den Finger auf ihre Lippen legt. „Hör auf dich zu entschuldigen“, sagt er freundlich. „Dass du mich nicht erkannt hast, spricht für dich. Das sagt mir, du hättest jedem geholfen. Das ehrt dich. Und da du heute eindeutig das größte Tier erlegt hast, erkläre ich dich zur Siegerin dieser Jagd.“
Die restliche Jagdgesellschaft zeigt sich ebenfalls beeindruckt und klatscht Beifall. Fiona, mit der Gesamtsituation völlig überfordert, läuft rot an und schaut unsicher in die Gesichter der hohen Herren und Damen. Soviel Aufmerksamkeit und Lob ist sie nicht gewohnt. Firundrian entgeht diese Unsicherheit nicht. Er sieht sie wohlwollend an und denkt: Entzückend! Ein wildes Raubtier mit Mordlust macht ihr keine Angst, aber ein paar aufgeblasene Adlige bringen sie aus dem Konzept.
„Wie ist dein Name?“ fragt er. „Fiona“, antwortet sie schnell, als habe sie Angst die Antwort wieder zu vergessen.
Er lädt sie ein mit auf seine Burg zu kommen. Schließlich müsste er sich erkenntlich für seine Lebensrettung zeigen. Eine angemessene Belohnung stehe ihr zu. Zum einen für seine Lebensrettung und für den Sieg in dieser Jagd.
Fiona, noch immer völlig verschämt und unsicher lässt dich von ihm auf sein Pferd heben und gemeinsam reiten sie zur Burg. Während sie reiten hat Fiona erhebliche Probleme alle Eindrücke in ihrem Kopf zu ordnen: Sie hat in ihrem ganzen Leben noch nie auf einem Pferd gesessen und schon gar nicht zusammen mit einem gut aussehenden freundlichen Ritter hinter sich. Sie spürt seinen Atem in ihrem Nacken, seinen Oberkörper an ihrem Rücken, seinen Geruch in ihrer Nase… Sinneseindrücke, mit denen sie nicht recht umgehen kann. An der Burg angekommen hebt er sie aus dem Sattel und lächelt sie wieder auf diese bestimmte Art an, was es ihr unmöglich macht einen klaren Gedanken zu fassen. (Schmetterling…)

Firundrian seinerseits ist von Fionas Fähigkeiten sehr beeindruckt. Ein wildes Raubtier zu erlegen schafft nicht jeder mit solcher scheinbarer Leichtigkeit. Zumal sie auf ihn bei näherer Betrachtung fast zierlich wirkt. Aber unter der glatten weißen Haut bemerkt er durchtrainierte Muskeln, die auf Kraft und Schnelligkeit schließen lassen. Er kommt nicht umhin zu sehen, dass sie zudem ein hübsches Mädchen ist. Den Widerspruch, zwischen ihrer einerseits rauen Kämpfernatur und ihre Unsicherheit wenn es um soziale Verhaltensweisen geht, findet er sehr süß.

Auf seine Frage nach ihrem bisherigen Leben erzählt sie, dass sie die Tochter eines Hufschmiedes und einer Schneiderin ist. Sie lebt in einer kleinen Waldsiedlung. Ihr Vater war früher Soldat und von ihm hat sie gelernt mit dem Dolch umzugehen, zu Jagen und zu fischen. Firundrian beschließt diesen Mann einmal treffen zu wollen und ihm ein Lob auszusprechen, wie großartig er sein Kind unterrichtet hat. Als er das Fiona sagt, wird sie wieder rot. „Das wäre wohl zuviel der Ehre“ sagt sie. Aber da er sich nicht davon abbringen lässt, wird Fionas Familie ebenfalls auf das Schloss eingeladen.
Das freut Fionas Vater sehr. Er platzt fast vor Stolz über seine heldenhafte Tochter. Firundrian bietet ihm die Burgschmiede an, da diese zu Zeit verwaist sei und er dringend einen Schmied brauche. Fionas Vater versteht sich neben Hufschmieden auch in der Anfertigung von Waffen und sagt zu. Im Zuge dieses Gespräches bietet Fionas Vater auch an, dass seine Tochter in die Dienste des Rittes gestellt werden könne.
„Darf sie das nicht selbst entscheiden?“ fragt Firundrian. „Eure Tochter kommt mir nicht vor, wie eine Frau, der man etwas vorschreiben kann.“
„Wohl wahr Herr. Sie ist manchmal ziemlich stur und eigensinnig. Aber ist das nicht bei allen guten Kriegern so?“
Im Gegensatz zu Firundrians Befürchtung sie könne ablehnen, sagt Fiona direkt zu und verpflichtet sich ihm zu dienen, was ihn sehr freut.

Zu diesem Zeitpunkt hegt er für sie noch nicht mehr als ein großes Maß an Sympathie und Freundschaft, während Fiona schon längst dabei ist sich hoffnungslos in ihn zu verlieben.
Doch das würde sie niemals zugeben. Er ist schließlich ein Ritter. Er ist adlig. Sie ist nur eine kleine Waldläuferin, die sich nur auf das Töten versteht. Was soll ein hoher Herr schon mit ihr anfangen? Sie ist seiner gar nicht würdig. Also „schmachtet“ sie ihn heimlich an und genießt jeden noch so kleinen Moment seiner Aufmerksamkeit.
So vergehen drei Jahre. Was Fiona aufgrund ihrer schlechten Menschenkenntnis nicht klar ist: Innerhalb kurzer Zeit hat im Grunde jeder auf der Burg durchschaut, was mit ihr los ist. Genauso fällt auf, dass der Herr Ritter, sonst ein echter „Schürzenjäger“, kaum noch mit anderen Frauen gesehen wird, sondern erstaunlich viel Zeit mit seiner neuen „Entdeckung“ Fiona verbringt. Unter den Burgbewohnern sind heimliche Wetten am Laufen, wann wo und wie beide endlich begreifen, was alle anderen schon längst klar ist.

Die Nebelhexe von Silz

Während Fiona weg ist merkt Firundrian, dass sie ihm sehr fehlt. Die letzten drei Jahre war sie praktisch fast immer in seiner Nähe. Ohne sie an seiner Seite fühlt er sich fast ein wenig unvollständig. Als er endlich Nachricht von ihr erhält, dass sie Unterstützung brauchen, kann er es kaum abwarten endlich wieder bei ihr zu sein.
Seine Freude über das Widersehen wird getrübt, als er die beiden Söldner Pitus und Tulus kennen lernt. Wie es aussieht verstehen sich die beiden sehr gut mit Fiona. Vor allem Tulus scheint sehr aufdringlich. Normalerweise schneidet Fiona unanständigen Typen wie ihm bestimmte Körperteile ab, aber aus irgendeinem Grund tut sie es bei ihm nicht. Das fuchst Firundrian, auch wenn er sich nicht erklären kann, was ihn daran stört. Immerhin ist Fiona eine Freie. Sie kann machen was sie will, aber trotzdem kann er das zornige Gefühl nicht abstellen, wenn er sie und diesen ungehobelten Söldner zusammen sieht. Ständig sind Pitus und Tulus in Fionas Nähe. Sie scheint den beiden blind zu vertrauen, sucht sie gezielt aus um heikle Missionen zu bestreiten… so wie bei der Eroberung der Wasserburg. Firundrian „muss“ bei der Hauptstreitmacht bleiben, während die beiden Grobiane mit ihr unterwegs sein „dürfen“. Aber dass er eifersüchtig sei… nein, dass kann doch gar nicht sein. So ein blödsinniger Gedanke…

Auf dem Weg zur Quelle
Der Söldner Tulus ist im Gegensatz zu Firundrians Meinung gar kein so grobschlächtiger Idiot, sondern spürt durchaus, was los ist.
Bei einer Nachtwache ergibt sich für ihn die Gelegenheit mit dem Ritter allein zu reden:
„Fiona ist eine sehr gute Kämpferin“, beginnt er wie beiläufig das Gespräch, „und hübsch ist sie auch noch! Ich frage mich…“
„Was?“ fällt Firundrian ihm ins Wort.
„Na ja, ob sie schon vergeben ist? Wenn nicht, wäre ich ein ziemlicher Dummkopf, wenn ich nicht mein Glück versuchen würde.“
„Ach ja?“ der Ritter schaut den Söldner böse an. „Der letzte, der versuchte Fiona zu umwerben, musste von einem Medicus zusammengeflickt werden. Sei besser vorsichtig, wem du nachläufst.“
Tulus lacht. „Vor wem muss ich mich mehr in Acht nehmen? Vor Fionas Wut oder eurem Zorn Herr Ritter?“
Firundrian ist viel zu verblüfft um zu antworten, aber Tulus spricht schon weiter: „Verzeiht meine spöttische Bemerkung, aber ich bitte euch darum offen sprechen zu dürfen. Von Mann zu Mann.“
Firundrian nickt. „Gegen ein ehrliches Wort habe ich noch nie Einwende.“
„Das ehrt euch“, nickt Tulus und überlegt sich seine nächsten Worte sehr genau. „Ich will nicht lügen: Ich habe wirklich daran gedacht Fiona den Hof zu machen, aber zu meinem Glück habe ich es noch nicht getan. Denn nachdem ihr aufgetaucht seid, Herr, weiß ich, dass ich völlig chancenlos wäre. Genau wie jeder andere Mann in dieser Welt.“
„Woher willst du das wissen?“ fragt der Ritter nach.
„Manchmal, wenn sie denkt unbeobachtet zu sein, dann schaut sie euch mit diesem Blick an. Ich nenne es das „Rahja-Leuchten“. Ihre Augen strahlen vor lauter Liebe und Bewunderung fast über. Wie ihr das nicht sehen könnt ist mir unbegreiflich. Und es macht mir Sorge, denn irgendwann wird sie daran kaputt gehen. Ich weiß, ich bin nur ein einfacher Söldner und wahrscheinlich habe ich nur Ahnung von Töten, aber selbst mit dem wenigen Verstand, den mir die Götter zusprachen, sehe ich, wie sehr sie euch liebt. Aber wenn ihr sie nicht erhört.. tja, dann werde ich mein Glück vielleicht doch noch versuchen.“
Sprach, stand auf und ließ den völlig verdutzten Firundrian am Feuer sitzen.

Nach dem Kampf an der Quelle
Fiona kümmert sich überfürsorglich um den verletzten Firundrian. Dieser denkt über das nach, was Tulus gesagt hat. Und da er jetzt genau darauf achtet, stellt er fest, dass der Söldner die Wahrheit gesagt hat. Wie konnte er nur so lange nicht erkennen, was mit Fiona los ist?
Doch wie steht er selbst zu ihr? Noch ehe er sich über seine Gefühle klar werden kann, muss er Fiona der Tsageweihten und dem Boronpriester überstellen. Es widerstrebt ihm sie gehen zu lassen, aber gegen die Befehle der Praiospriester kann er nichts ausrichten.

Die Vampire im Reichforts
Als Firundrian krank im Bett liegt, kreisen seine Gedanken nur um eine Sache: „Ich sterbe und werde sie niemals wieder sehen.“
Medicus Metzger hört, wie er im Fieber den Namen „Fiona“ murmelt. Daraufhin schreibt er einen Brief an sie.
Zwischen Träumen und „halb wach sein“ glaubt Firundrian Fiona neben sich am Bett sitzen zu sehen. Er bildet sich ein, dass sie seine Hand hält und mit ihm spricht. Sie schaut so besorgt aus. Er will etwas sagen, doch niemand versteht sein Gemurmel.

Als es ihm wieder besser geht, fragt er nach Fiona. Metzger erzählt ihm, dass sie wirklich da war und an seinem Bett gewacht hat.
„Sie war in aller höchster Sorge um euch“, sagt er. „Ihr kennt sie ja. Keine Rücksicht auf Etikette… wenn ihr gesehen und gehört hättet, wie sie mit dem erhabenen Boronpriester und der edlen Tsargeweihten umsprang! Als wäre diese beiden IHRE Diener und nicht umgekehrt! Und was sie mir an den Kopf warf, werde ich nicht wiederholen!“
Firundrian lächelt amüsiert, da er sich die Szene sehr gut vorstellen kann. „Ja, das klingt nach Fiona. Wo ist sie? Ich möchte sie gern sehen.“
Metzger zuckt bedauernd mit den Schultern. „Es tut mir leid, aber sie ist zu Zeit unterwegs. Es war zwar sehr schwer, sie an ihrer Pflicht gegenüber den beiden Priestern zu erinnern, aber letztlich wurde sie überzeugt beide auf eine Erkundungsreise zu begleiten.“
„Oh“ sagt der Ritter und schafft es kaum seine Enttäuschung zu verbergen.
„Aber sie müssten alle bald wieder da sein. Die namenlosen Tage sind nicht mehr fern und bis dahin werden sie sicher längst zurück sein“, beeilt sich Metzger zu sagen, da ihm nicht entgeht, wie niedergeschlagen sein Herr ist.

Am nächsten Tag geht es Firundrian wirklich noch ein wenig besser. Gut genug um sich im Bett aufzurichten und einen Versuch zu wagen aufzustehen. Metzger protestiert, doch der Ritter kann sich zumindest durchsetzten seine schriftlichen Arbeiten an einem Schreibtisch machen zu „dürfen“.
Noch während er damit beschäftigt ist Briefe zu schreiben, öffnet sich die Zimmertür.
Er blickt auf und sieht Fiona im Türrahmen stehen. Sie ist noch in Reisekleidung und schmutzig von der Straße. Er stellt sich vor, wie sie im schnellen Tempo die Treppen hoch eilte, keine Zeit damit verschwendete sich zu waschen oder umzuziehen. Ihr erster Gedanke galt ihm und zu sehen, wie es ihm geht.
Da sie ihn im Bett vermutet ist ihre Reaktion auf die unberührten Laken für Firundrian eindeutig als Panik und Entsetzen zu erkennen. Doch sofort wandert ihr Blick weiter, sie sieht ihn am Tisch sitzen und er kann sehen wie sich ihr Gesichtausdruck in Erleichterung und Freude verwandelt. Etwas wacklig steht er auf um sie zu begrüßen, doch da hat sie schon die wenigen Meter zwischen Tür und Tisch hinter sich gebracht und schlingt die Arme um ihn.
Noch ehe Fiona über das was sie tut nachdenkt, küsst sie ihn. Mit dieser Reaktion hat er nicht gerechnet. Erst einige Augenblicke später wird ihr bewusst, was sie da tut. Sie lässt ihn los, läuft rot an, stottert eine Entschuldigung, die Schlagwörter enthalten wie:
„… nicht nachgedacht…, Angst um euch…, zu lange mit Tsageweihten unterwegs,… Wirkungen von Schmetterlingen…, Blumen… Dummheit… Bitte um Verzeihung.“
Firundrian muss an ihre erste Begegnung im Wald denken und lächelt sie an. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Alle in Ordnung.“ Er geht auf Fiona zu, die ihn verwirrt anblickt. Dann nimmt er sie in den Arm und küsst sie.
Erst als beide ein lautes, überdeutliches Räuspern hören, trennen sie sich voneinander. Firundrian fühlt sich ziemlich wacklig auf den Beinen- nicht nur wegen der seltsamen Krankheit- und auch Fiona steht nicht so sicher wie gewöhnlich.
Metzger steht in der Tür. Mit hoch rotem Kopf brummt er etwas von völlig närrischem Verhalten, nicht überanstrengen und dass sowieso keiner auf ihn hört.
Fiona schaut verlegen zur Seite, doch Firundrian hält ihre Hand fest und zieht sie wieder an sich. „Sprich aus, was du sagen willst Medicus“, sagt er und wappnet sich auf eine Ansprache über „nicht standesgemäße Beziehungen“.
„Ich meine“ sagt Metzger, „Dass ihr körperlich noch nicht fit genug seid. Verschiebt euer offensichtliches Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt. Ihr beide seid drei Jahre umeinander geschlichen, da kommt es auf ein paar Tage mehr auch nicht an.“ Der Medicus schaut in die perplexen Gesichter der beiden und muss lachen. „Ihr seid mir zwei Helden. Aber ich muss euch danken. Wenn ich wieder zu hause bin, kann ich einige Wettschulden einfordern und ein kleines Vermögen machen.“

Die Nacht und das offene Fenster
Die beiden halten sich – mehr oder weniger – an die Anweisung des Medicus. Fiona kann ihr Glück kaum fassen endlich ihrem Firundrian so nahe sein zu können. Im Gegensatz zu normalen Nächten, ruht sie an seiner Seite erstaunlich friedlich und gut. So fest hat sie in ihrem ganzen Leben noch nie geschlafen, weshalb ihr fast nicht aufgefallen wäre, wie kalt es im Zimmer wurde. Verschlafen öffnet sie die Augen. Neben sich spürt sie den gleichmäßigen Atem von Firundrian. Sie richtet sich halb auf, reibt sich müde die Augen und blickt sich im Zimmer um. Das Fenster steht auf. Kein Wunder, dass es kalt wird! Noch etwas schlaftrunken wickelt sie sich eine schmale Decke um die Schultern, schwankt zum Fenster. Gerade als sie die Läden schließen will, sieht sie eine undeutliche Bewegung unter dem Fenster und eine Gestalt, die davon läuft. Auf einmal sind ihre Sinne wieder scharf. Ihr kommt schlagartig der Gedanke, dass sie das Fenster vor dem zu Bett gehen geschlossen hatte- fest verschlossen hatte. „Fiona“, die Stimme des Ritters klingt leise und keuchend. Eine Welle von Angst durchläuft sie. Sie läuft zurück zum Bett und beugt sich zu Firundrian, der an der Bettkante sitzt und nach Luft ringt. „Ich kann kaum atmen“, Panik steigt in ihr auf.
Sie verriegelt das Fenster. Rennt aus dem Zimmer, klopft an die Zimmertüren der beiden Priester. Durch den Lärm alarmiert kommen Pitus und Tulus mit Schwertern bewaffnet aus dem Schlafsaal gerannt. Sie sehen Fiona im Gang stehen, die… außer der kleinen Decke um die Schultern nichts anhat. Doch das scheint ihr gar nicht bewusst zu sein, denn sie redet wie ein Wasserfall auf die beiden Geweihten und den Medicus ein. „Schnell! Firundrian! Er bekommt keine Luft! Tut doch was!“
Sie blickt auf die Söldner. „Schnell! Da draußen unter dem Fenster war etwas! Geht nachsehen! Sucht die Straße nach Spuren ab! Worauf wartet ihr noch?“
Die Männer starren sie noch immer an. Die Tsargeweihte flüstert ihr etwas ins Ohr. Fiona blickt an sich herunter und wird sich ihrer Nacktheit bewusst. „Oh.. eh.. ich…“ sie läuft rot an. „Ich gehe mich anziehen.“
Tulus kann es nicht lassen ihr hinterher zu pfeifen. Und in Gedanken gratuliert er Firundrian. Ein sehr glücklicher Mann, dieser Ritter.

Die namenlosen Tage
Die namenlosen Tage im Praiostempel empfindet Fiona trotz der Hitze, Insektenplage und sonstiger Unannehmlichkeiten als gar nicht so schlecht. Sie geht in der Rolle Firundrian zu pflegen völlig auf und freut sich darüber, dass es ihm täglich besser geht. Ihre Fürsorge rührt ihn, vor allem das riesige Insektennetz, dass sie für ihn aufhängt. Ihre Versuche ihn mit Singen und Flöte spielen zu unterhalten scheitern zwar kläglich, doch er rechnet ihr den lieb gemeinten Versuch hoch an. Zudem findet der Ritter schnell einen guten Weg sie vom Singen abzuhalten: sobald sie damit anfängt, küsst er sie. Damit ist sie abgelenkt. Dafür kann sie umso besser kochen, was ihm letztlich fast lieber ist, als eine gute Singstimme.
Mit jedem Tag, der vergeht merkt er mehr und mehr wie sehr er sie liebt. Er schimpft sich selbst den größten Idioten, weil ihm das nicht schon viel früher klar geworden ist.

Der Praiosfesttag
Fiona ist überglücklich ihn wieder völlig gesund auf den Beinen zu sehen und überredet ihn die Feierlichkeiten zu besuchen. „Den Göttern zu danken kann nie ein Fehler sein“, sagt sie und lässt keinen Widerspruch zu.
„Deiner Logik ist nichts hinzuzufügen“, sagt er grinsend, nimmt ihre Hand und lässt sich mitziehen. Ganz gegen ihre Gewohnheit steckt sie in einem bunten Kleid, das ihr unheimlich gut steht. Firundrian erkennt darin das Werk der Tsargeweihten. Er fragt sich, wesen Idee es gewesen war Fiona so herauszuputzen. Ihr bleibt sein Blick nicht verborgen. „Gefällt es dir nicht?“ fragt sie unsicher. „Ich wollte gar nicht, aber sie hat nicht locker gelassen.“
Er gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. „Sag der Geweihten, dass sie das sehr gut gemacht hat. Du siehst umwerfend aus.“

Als beide an einem Schmuckstand vorbei kommen, hält Firundrian an. „Was gefällt dir? Such dir etwas aus.“
„Ich mag keinen Schmuck“ sagt sie, aber er lässt nicht locker. „Unmöglich. Du bist eine Frau und Frauen lieben Schmuck. Langjährige Erfahrung.“
„Aha“, sagt sie und er ist sich nicht sicher, wie er diese Äußerung deuten soll- auch das sagt ihm seine Erfahrung- Frauen können manchmal seltsam reagieren. „Oder willst du lieber einen neuen Dolch?“ fragt er schnell, um das Thema zu wechseln. Sie überlegt kurz, während sich doch recht interessiert die Schmuckauswahl betrachtet.
„Ha! Ich habe es gewusst! “ denkt er zufrieden. „Frauen sind doch alle gleich.“
Fiona greift nach einem schlichten Silberarmreif. „Der hier ist schön“, sagt sie und zeigt ihm die Gravuren des Armreifes: ein Muster aus Eichen- und Ahornblätter. Dazwischen das Symbol des Gottes Firun.
Er legt die Stirn in Falten. „Ich soll dir also an einem Tag des Sonnengottes einen Armreif des Jagdgottes kaufen. Wie in aller Welt kommst du auf diese Idee?“
Fiona lacht. „Ich denke ihr Adligen seid so klug und gebildet.“ Als er immer noch nicht versteht erklärt sie: „Dein Name. Firundrian, ist eine Ableitung von Firun. Erzähl mir nicht, dass du das nicht weißt.“
„Oh, natürlich“, er grinst. „Dann bin ich also ein Gott für dich?“ fragt er und zieht schelmisch die Augenbraun nach oben. „Das wäre Blasphemie“, sagt sie. „Aber als wir uns zum ersten Mal trafen waren wir beide auf der Jagd. Ich finde, wenn ein Gott seine Finger im Spiel hatte, als sich unsere Wegen kreuzten, dann wohl Firun.“
Er kauft ihr den Armreif, ist aber etwas enttäuscht, als sie ihn zwar sofort anzieht, aber unter dem Ärmel des Kleides verschwinden lässt.
Auf seine Frage warum antwortet sie: „Ich trage ihn für mich. Nicht für andere.“

Angriff auf den Vampir-Oger
Im Nachhinein ärgert sich Fiona über sich selbst, weil sie sich während des Kampfes wenig klug verhalten hat. Ihre Sorge um Firundrian hatten sie davon abgehalten klüger zu reagieren. Auch seine Verletzung macht ihr geradezu panische Angst.

Die Begegnung mit der Knappin
Die Worte und Beschimpfungen der Knappin haben Fiona sehr zugesetzt. Zum einen wurde ihre Angst um Firundrians Leben noch weiter verstärkt und zum anderen ihre allgemeine Unsicherheit und Zweifel an der Beziehung zu ihm. Auch wenn keiner der beiden es bisher ansprach: er ist ein adliger Ritter und sie nur eine gewöhnliche Waldläuferin, kein standesgemäßer Umgang. Ihre Angst ihn deshalb zu verlieren ist sehr groß.

Doch im Moment ist die entsetzliche Vorstellung er könne sich in einen Vampir verwandeln alles was ihre Gedanken bestimmt.
Firundrian selbst fühlt sich nicht sehr „vampirisch“ und findet das Gerede der anderen sogar ziemlich albern. Völlig absurd! Von einem Oger gebissen werden und ein Vampir werden! Lächerlich! Doch Fiona zu liebe lässt er alle Behandlungen über sich ergehen. Wobei er sich insgeheim schwört, wenn das hier vorbei ist, nie wieder in seinem Leben auch nur eine halbe Knoblauchzehe mehr zu essen.
„Ich wollte mit dir nur gleichziehen“, sagt er neckisch zu ihr und deutet auf ihre Narbe am Hals. „Du lässt dich von Nixen beißen, ich erhöhe auf einen Oger. Würde mal sagen, die Runde geht an mich.“
Fiona findet das gar nicht lustig. „Wenn das nächste Mal jemand seine meiste Karmaenergie dafür aufbraucht einen Schutzkreis um dich zu ziehen, dann wirst du diese Anstrengung würdigen und gefälligst innerhalb des Kreises bleiben.“ Firundrian schaut sie entschuldigend an. „Ich habe es nicht gesehen.“
Fiona verdreht die Augen. „Einen grell weiß leuchtenden Schutzkreis mit Blümchenmuster hast du nicht gesehen?“ Sie schaut ihn ziemlich sauer an. „Erzähl mir keine Märchen edeler Herr Ritter Firundrian von Abendheim.“
„Tulus ist auch losgestürmt und du auch“, erwidert er fast kleinlaut. Dass Fiona ihn mit seinem vollen Titel anspricht kann nichts Gutes heißen.
„Tulus ist losgelaufen, weil DU als erster gelaufen bist und ich bin hinterher, weil ihr zwei Idioten zur Vernunft gebracht werden musstet!“
„Ich hab mich doch selbst befreit. Ich kann auf mich aufpassen.“
„Ich weiß“ Fiona seufzt und umarmt ihn. „Mache so was Dummes bitte einfach nicht noch mal.“

Fiona betet zu den 12 Göttern
Am frühen Morgen, alle anderen schlafen noch, geht Fiona in den Tempel, kniet sie sich nieder und faltet die Hände.
„Ihr Götter, ich bin Fiona, aber ihr kennt mich sicher. So wie ihr jeden Menschen kennt. Verzeiht mir meine unbeholfenen Worte. Ich bin keine Gelehrte, keine Geweihte. Ich verstehe mich nur aufs Kämpfen. Nicht auf das Reden mit Göttern. Normalerweise würde ich euch nicht mit meinen Problemen belästigen. Bisher bin ich ganz gut ausgekommen, ohne euch zu nerven, aber jetzt ist das anders. Ich bin nicht besonders klug und gebildet, aber eines weiß ich: Ich liebe Firundrian über alles. Ich könnte es nicht ertragen, wenn ihm etwas zustößt.
Ich hatte noch nie einen Wunsch in meinem Leben, doch jetzt wünsche ich mir nichts mehr als bei ihm zu sein, ihn lieben zu dürfen und dass es ihm gut geht. Darum bitte ich euch von ganzem Herzen: helft uns zu erkennen, was hier geschieht, damit wir ihn retten können.
Bitte, lasst nicht zu, dass er sich in einen Vampir verwandelt oder etwas anderes Schlimmes!“
Fiona schließt die Augen, als sie anfängt zu weinen.
„Keine Sorge, kleine Kriegerin. Er wird kein Vampir.“
Fiona öffnet die Augen, will nachsehen wer da gesprochen hat, aber sie ist ganz allein.
Hat sie sich das gerade nur eingebildet?
Sie steht auf und beeilt sich zurück in ihr Quartier zu kommen, ehe jemand merkt, dass sie weg war.

Firundrian von Abendheim

Die dreizehnstrahligen Sonnen gluebirne