Tulus

Ein einfacher Söldner

Description:

Mut: 13
Klugheit: 10
Intuiton: 10
Charisma: 10
Fingerfertigkeit: 10
Gewandheit: 12
Konstitution: 14
Körperkraft: 15

Waffen:
Schwert
Armbrust

Ist das, was man allgemein einen “sympatischen Dummschwätzer” nennen würde.
Mit Pitus seit vielen Jahren befreundet.
Macht sich seinen Spaß daraus Fiona bei jeder denkbaren Gelegenheit mit frechen Kommentaren zu necken. Im Kampf steht er ihr aber stehts tapfer zur Seite. Beide haben sich gegenseitig schön öfter das Leben gerettet.

Bio:

Es war still um ihn. Das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war der Ork.
Der Ork mit seiner Lanze. Er glaubte zumindest, dass es eine Lanze gewesen war. Oder ein Speer? Machte wohl keinen Unterschied mehr. Er war gefallen. Das wusste er noch. Und der Ork hatte versucht ihn zu töten. Nein, nicht versucht. Wie ihm schien, musste der haarige Widerling erfolgreich gewesen sein.
Tulus schaute an sich herab. Hätte es ihn verwundern müssen, dass er weder Blut noch eine Wunde sehen konnte? Sollte es ihn stutzig machen, weil er keine Schmerzen fühlte? Ja, das sollte es wohl. Doch nichts davon war der Fall.
„Ich bin tot“, dachte er und überlegte, ob ihm dieser Gedanke Angst machen sollte. Tat es aber nicht. Er fühlte sich unbeschwert, zufrieden und sorgenfrei. Bis auf ein großes Bedauern. Aber daran konnte er jetzt nichts mehr ändern.

„Was bedauerst du?“, fragte eine weibliche Stimme hinter ihm. Tulus wandet sich der Stimme zu und erblickte eine Frau in grünen Gewändern. Wunderschöne, fein gearbeitete Gewänder, würdig einer Königin. Bei ihrem Anblick kam ihm ein Gedanke und dieser stimmte ihn traurig.
„Was macht dich traurig?“, fragte die Frau. Ihr Gesicht kam Tulus seltsam bekannt vor, doch er hätte beim besten Willen nicht sagen können, wo er das hübsche Gesicht schon mal gesehen haben könnte. Sie blickte ihn aus freundlichen grünen Augen an. Er dachte kurz, dass ihn die Situation eigentlich irritieren müsste, dass ihn die Gegenwart einer solch königlich anmutenden, wunderschönen Frau eigentlich sehr nervös machen sollte. Schließlich war er nur ein einfacher Söldner, grobschlächtig und ungehobelt, kaum gemacht für die Gesellschaft einer so feinen Dame.
Der hübsche Ritter Firundrian, ja, der kannte sich aus mit diesem Etikette-Zeug, aber Tulus, der einfacher Söldner, er stotterte immer nur herum und sagte etwas Peinliches.
Doch all diese Gedanken waren weit weg.
Tulus Stimme klang sehr sicher als er antwortete: „Ich bedauere, dass ich nicht bei Fionas Hochzeit dabei sein kann und als ich euer wunderbares Kleid sah, dachte ich, wie gut Fiona ein solches Gewand stehen würde. Ihr müsst wissen, sie ist nämlich ziemlich klein. Wird nicht leicht für sie, was zu finden, in dem sie größer wirkt. Und ich dachte kurz, dass dieses Kleid vielleicht … aber es ist müßig drüber nachzudenken, denn ich werde nicht mehr da sein, um sie zu beraten. Das macht mich traurig.“
„Wieso wirst du nicht da sein?“ fragte die Frau weiter.
„Nun“, entgegnete Tulus, „ich wurde gerade von einem Ork erschlagen. Ich bin tot.“
„Woher weißt du das so genau?“ fragte die Frau. Tulus lächelte schief. „Weil ich gerade schwer verletzt wurde, aber keine Wunde oder Schmerzen habe. Weil ich gerade noch mit einem hässlichen Ork kämpfte und jetzt mit einer wunderschönen Frau rede. Weil ich gerade noch Kampflärm in den Ohren hatte, aber jetzt ist alles still. Weil ich gerade noch auf einem Schlachtfeld stand und jetzt in einem weißen Nichts. Das alles legt mir die Vermutung nah, dass ich es diesmal nicht überlebt habe. Ich bin zwar bei Weitem nicht so klug wie Senach oder Nora, aber wenn es aussieht wie ein Hund, bellt wie ein Hund und riecht wie ein Hund, ist es keine Katze.“
Die Frau lachte. „Deiner Logik ist nichts hinzuzufügen. Ich gebe dir recht. Du bist mehr tot als lebendig.“
„Dachte ich mir, Herrin. Ist nicht das erste Mal, dass ich beim Kampf zu weit gehe. Bin nicht der Klügste. Ich weiß nie, wann es Zeit für den Rückzug ist. War klar, dass mir das früher oder später zum Verhängnis wird. Mein Fehler.“
Die Frau betrachtete ihn neugierig. „Du scheinst das sehr leicht zu nehmen. Hast du keine Angst vor dem Tod?“
Tulus dachte genau über die Frage nach, eher er antwortete: „Ich bin ein Söldner. Ein Krieger. Der Tod sitzt mir ständig im Nacken. Angst ist das falsche Wort. Senach sagt immer, der Tod gehört zum Leben. Er ist Boronpriester, müsst ihr wissen. Er kennt sich mit so was aus. Im Übrigen, wo ist Boron eigentlich? Ich will nicht überheblich klingen, oder andeuten, dass mir eure Gesellschaft nicht gefällt, aber sollte ein toter Mann nicht von Boron ins Jenseits geführt werden? Denn, verzeiht, ich glaube nicht, dass ihr der Totengott seid. Falls ich mich irre, klärt mich auf, aber ich habe den Herr Boron immer für einen Mann gehalten. Nicht für eine hübsche Frau.“
Die Dame lachte wieder. „Das hast du schön gesagt. Für einen Söldner hast du einen sehr guten Umgangston und eine schöne Ausdrucksweise.“
Tulus zuckte mit den Schultern. „Man schnappt wohl so das ein oder andere auf, wenn man mit Geweihten und Adligen unterwegs ist. Aber ihr habt meine Frage nicht beantwortet.“
„Stimmt. Habe ich nicht. Du hast mich durchschaut. Ich bin nicht Boron. Der Tod ist wahrlich nicht meine Sache. Ich bin für das Leben zuständig. Ich heile. Ich lasse wachsen und gedeihen. Ich spende Leben. Ich nehme es nicht.“
Tulus stutzte. „Dann seid ihr die Göttin Peraine?“
Die Göttin lächelte. „So dumm wie du sagst, bist du gar nicht, Söldner Tulus.“
„Aber was wollt ihr von mir? Verzeiht, wenn ich so direkt frage, aber ich bin verwirrt.“
„Oh, ich bin hier, weil man mich gerufen hat.“
Tulus sah, wie sich die Szene veränderte. Er sah das Schlachtfeld, sah sich selbst in einer riesigen Lache aus Blut liegen, sah Pitus, der neben ihm kniete und den reglosen, blutigen Körper festhielt. Er sah wie Fiona seine leblose, kalte Hand zwischen ihren kleinen Händen fest umklammerte.
Er hörte ihre in Tränen erstickte Stimme: „Tulus! Hör mir zu! Selbst wenn du bereit bist zu sterben, ich bin nicht bereit dich zu verlieren! Verdammter Egoist, wage es nicht mich im Stich zu lassen! Du hast gesagt, du wirst mein Trauzeuge! Du hast versprochen mir zu helfen mein Hochzeitskleid auszusuchen! Du kannst jetzt nicht gehen! Ich brauche dich doch! Du bist doch der einzige, der sich traut mir den Alkohol abzunehmen, wenn ich zu viel getrunken habe! Du musst doch auf mich aufpassen, dass ich bei meiner Hochzeit nicht breit bin und etwas Peinliches anstelle! Du hast es mir hoch und heilig versprochen! Du wolltest doch immer für mich da sein! Und weißt du noch, als wir darüber sprachen, wie das sein wird, wenn ich mal Kinder habe? Tulus, ich ändere mein Meinung. Ich hab zwar nein gesagt, aber du darfts doch Babysitter werden! Hörst du? Da wartet Arbeit auf dich! Überlege doch mal! Kleine Waldschratten-Berserker-Babys! Mit denen wird doch außer dir sowieso keiner fertig! Lass mich nicht hängen! Bitte, bitte, nicht sterben! Du verdammter Idiot, du darfst auch Holzschwerter für meine Kinder schnitzen! Wer bringt ihnen denn sonst all den Blödsinn bei, den ich ihnen dann verbieten muss, wenn nicht du? Mach die Augen auf, Tulus! Hörst du! Atme! Komm schon! Komm zurück!“
Fiona redete endlos weiter, weinte bitterlich und hielt seine Hand.
„Hat sie dich gerufen?“ fragte Tulus die Göttin. Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Die arme Kleine ist viel zu voll mit Angst um dich, als dass sie zu einem klaren Gedanken fähig wäre. Genau wie dein Söldner Freund. Die beiden werden es ohne dich sehr schwer haben. Pitus wird jetzt wohl noch grimmiger werden, als er sowieso schon ist. Und Fiona, nun, du siehst und hörst selbst, wie sehr sie an dir hängt. Wenn ihr der Gedanke käme, würde sie sogar Tsa um Hilfe bitten und eine Geweihte werden.“
Tulus lachte. „Lustige Vorstellung. Aber das wird nichts werden. Fiona wird so wenig eine Tsa Geweihte, wie Franka Rondra werden könnte. Fiona ohne Waffen… nein, da könnte sie sich auch gleich einen Arm abschneiden.“
„Nun, darüber denkt Nora gerade nach“, sagte die Göttin. „Die kleine Magierin überlegt, in wie weit sie zu einem Blutzauber fähig ist. Nicht sehr Hesinde gefällig. Eigentlich keinem guten Gott gefällig, aber wenn sie könnte, sie würde dich retten. Der hübsche Dieb wäre sogar bereit sein Blut zu geben. Und Pitus, tja, der würde wahrscheinlich sein Leben für deines eintauschen, wenn er wüsste wie.“
„Nein!“ Tulus war entsetzt. „Sie sollen wegen mir doch keinen solchen Unsinn anzetteln! Ich bin tot! Da gibt es keine Hilfe mehr.“
„Nun“, sagte die Göttin. „ eure Arzt scheint dich dennoch nicht aufgeben zu wollen.“
„Metzger?“ Tulus schaute erneut auf die Szene. Tatsächlich war Metzger fieberhaft dabei die Blutung stillen zu wollen. Doch man musste kein Arzt sein um zu erkennen, wie wenig Hoffnung es noch gab. Während er die Szene beobachtete traten Tränen in Tulus Augen.
„Ihr Menschen seid schon ein seltsamer Haufen“, sagte die Göttin, „Zumeist seid ihr damit beschäftigt euch gegenseitig zu töten, aber ab und an würdet ihr alles für einander tun. Deine Freunde wären bereit einfach alles für dich zu tun und du bist nicht traurig weil du stirbst, sondern weil du Angst hast, dass sie deinen Tod nicht überwinden können. Das ist süß.“
„Spottet nicht über mich!“, erwiderte Tulus.
„Oh, ich spotte nicht über dich. Ganz im Gegenteil. Ich finde es großartig. Wäre ich sonst hier?“
„Wie meint ihr das?“
„Euer Arzt fleht gerade in diesem Moment um meinen Beistand. Genau wie alle anderen ist ihm klar, dass nur noch ein Wunder dich retten kann. Er bietet sogar an einer meiner Geweihten zu werden, wenn ich helfe. Aber bist du ein Wunder wert? Was denkst du?“
„Ich? Was ich denke?“ Tulus wusste nicht recht, ob sie ihn ernsthaft nach seiner Meinung fragte.
„Wie soll ich auf so eine Frage antworten? Was weiß ich, wie viel ich wert bin! Ich weiß nur, dass ich leben will, um all das zu tun, was Fiona gesagt hat: ich will ihr Hochzeitskleid aussuchen, ich will ihr Trauzeuge sein. Ich will ihr den Alkohol abnehmen, wenn es nötig ist und ich will auf ihre Kinder aufpassen. Ich will auch das Kind von Franka und Robrick sehen und Firundrian helfen. Immerhin ist er jetzt Markgraf! Und wenn er auch noch Fionas Ehemann wird, hat der arme Kerl nicht mehr viel zu lachen. Und Metzger und Senach, die … na ja, denen muss ich ab und an auch auf die Nerven gehen, sonst werden sie zu grimmig. Genau wie Pitus! Ohne mich hat er immer so schlechte Laune. Ich will leben und ihnen helfen mit all dem fertig zu werden.“
„Also willst du nicht für dich leben, sondern für andere“, fasste die Göttin zusammen. „Das klingt gut. Halte an diesem Gedanken fest, Söldner Tulus. Und in Zukunft, wirst du dich dem entsprechend verhalten.“
Sie trat vor ihn, legte die Hände auf seine Schultern und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Die Stelle wurde augenblicklich warm, dann heiß und ein unendlich heftiger Schmerz breitete sich von seinem Kopf in seinem ganzen Körper aus. Ein qualvolles Brennen erfasste seinen Brustkorb. Ihm wurde klar, dass er atmen sollte.

Schlagartig schlug Tulus die Augen auf und machte einen längst überfälligen Atemzug.
Der Schmerz in seinem Körper wurde noch schlimmer – wenn das überhaupt möglich war. Er blickte in die Gesichter von Metzger und Fiona. Der Arzt war noch immer damit beschäftigt ihn zusammenzuflicken, Fiona sah völlig verheult aus, aber unendlich glücklich. „Den Göttern sei dank!“ stieß sie hervor. Sie hielt noch immer seine Hand. Firundrian kniete hinter ihr und hielt sie an den Schultern fest. Ganz so, als hätte er Angst sie würde auseinanderfallen, wenn er sie losließ.
Nora und Robrick blickten ebenfalls zu ihm hinunter und konnten kaum fassen ihn wieder lebendig zu sehen. Dann viel sein Blick auf Pitus. „Pi“, sagte Tulus mit heiserer Stimme, „deine Wunde solltest du verbinden lassen. Sieht echt übel aus.“

Tulus

Die dreizehnstrahligen Sonnen gluebirne